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Neue Zeit

Der Wind hat sich gedreht, die Banner stehen noch

Schwandorf startet in den Demo-Herbst 2022
Demonstration Schwandorf 20. September 2022

Es war reine Neugier, die mich an diesem 20. September 2022 raus auf die Straße getrieben hat. Nicht, um bei der von der Partei AFD organisierten Demonstration auf dem Schwandorfer Marktplatz mein Missfallen kundzutun, und auch nicht, um nach den kraftvollen und für viele der schätzungsweise 500 Demonstranten motivierenden Reden spazieren zu gehen. Ich finde, es läuft alles hervorragend. Was das böse Wort mit C nicht geschafft hat, hat die vermeintliche Regierung in Berlin (die Berliner Bezirke haben aufgrund von angeblicher Papier-Knappheit die Wahl immer noch nicht wiederholt) nun mit ihrer Klima-Agenda und Sanktions-Agenda geschafft.

Der Wind hat sich gedreht. Die Banner stehen noch. Die Gesichter sind andere. Es sind nicht mehr die tanzenden und singenden Menschen – von Medien als Esoteriker bezeichnet – auf der Straße, die friedlich gegen die überzogenen Maßnahmen demonstrierten. Es sind andere Gesichter. An ihren Mienen kannst du ihren Frust und ihre Verzweiflung ablesen. Die Herzmenschen haben zweieinhalb Jahre ihre Pflicht getan, jetzt ist die Zeit derer gekommen, die über eine lange Zeit hinweg nicht glauben wollten, dass die Verschwörungstheoretiker dann doch recht hatten. Mit allem. Und für viele ist das neu. Nicht jeder traute sich nicht in die Menge, stellte sich abseits und schaute dem Treiben interessiert zu. Aber: Man war dabei.

Der Wind hat sich gedreht, die Banner stehen noch - Schwandorf
Der Wind hat sich gedreht, die Banner stehen noch - Schwandorf
Der Wind hat sich gedreht, die Banner stehen noch - Schwandorf
Der Wind hat sich gedreht, die Banner stehen noch - Schwandorf
Der Wind hat sich gedreht, die Banner stehen noch - Schwandorf
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Mehr Männer als Frauen?

Die Redner waren mir alle unbekannt – bis auf den Organisator Reinhard Mixl, der mir schon mal bei einem Spaziergang in Schwarzenfeld über den Weg gelaufen war. Persönlich kannte ich niemanden – außer die Gruppe, mit der ich gekommen war. Ich hatte es noch nie mit Lokalkolorit und Parteiengedöns auf unterster Ebene. Man möge mich jetzt Lügen strafen, aber es waren meiner Ansicht nach mehr Männer als Frauen da. Und wenn ich jetzt noch eine weitere Behauptung in den Raum werfen darf, dann würde ich sagen, dass viele derer, die an diesem schon leicht kühlen Herbsttag nach Schwandorf gekommen waren, vorher noch nie auf einer Demonstration waren.

Das hat alles einen guten Grund. Für das böse Wort mit C war die Propaganda aus marketingtechnischer Sicht hervorragend vorbereitet – über Jahre hinweg. Jeder konnte sich ja noch immer irgendwie rausstehlen aus der Sache und die Söderwindel vor dem Gesicht war eben ein geduldetes Übel.  Jetzt allerdings geht es ums Ganze. Es geht, pathetisch gesagt, um das nackte Überleben. Denn nackt fühlt man sich nicht nur ob der nicht mehr leistbaren Mieten, Lebensmittel, eigentlich des ganzen Lebens. Nackt fühlt man sich auch – und das wurde von den Rednern, deren Namen mir nicht bekannt sind, deutlich formuliert – weil man offenbar machtlos gegen die „Zerstörung (des Wohlstandes) eines ganzen Landes“ sei.

Besser gemeinsam als einsam frieren

Nachdem die C-Demos in Schwandorf irgendwann abgeebbt waren – was wohl auch einer Gegeninitiative geschuldet war – hatte ich an dem heutigen Abend den Eindruck, dass es nun wieder los geht. Während zu Hause wegen überteuerter Gaspreise die Heizungen aus bleiben, werden sich die Menschen nun wieder regelmäßig auf dem Marktplatz treffen. Und zwar nicht nur in Schwandorf sondern überall in ganz Deutschland. In Sachsen waren die Proteste sowieso nie abgeebbt. Draußen ist’s zwar auch kalt, aber besser gemeinsam als einsam frieren.

Diejenigen, die mit uns gegen die C-Sache auf die Straße gegangen waren, hatten uns gewarnt vor möglichen Ausschreitungen der neuen Demo-Liga. Für Schwandorf, für diesen heutigen Abend, kann ich das allerdings nicht bestätigen. Es verlief alles friedlich, Kinder tollten herum während die Erwachsenen den Rednern mit lauten Rufen und Klatschen zustimmten. Und die Polizei hatte auch nichts zu tun. Apropos Polizei: Die schwarzen Vermummten, die offenbar von ganz gewissen Stellen bezahlt waren und auf C-Demos nicht selten Hand anlegten, waren heute nicht mehr in Schwandorf. Offenbar wurden mit dem Ende der Plandemie auch deren Stellen gestrichen. Und ja: Ich bin mir sicher, dass die Vermummten nichts mit der gewöhnlichen Polizei zu tun haben. Die Schutzmänner haben ihren Job in Schwandorf hervorragend gemacht. Und sollte es auch in Zukunft wieder sein.