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Hashtag Satire

Ernsthaft: Zwiebeln wachsen nicht im Supermarkt

Der Irrglauben, der auch das Tetrapak zum Milchspender hochstilisierte
Zwiebelsamen züchten für den Profi

Es soll tatsächlich Menschen geben, die glauben, der Strom käme einfach so aus der Steckdose. Und man müsse auch darauf achten, den Stecker richtig herum reinzustecken, weil sonst der Strom falsch rum läuft und das technische Gerät dann stante pede die Sprache wechseln oder sich in einen Toaster transformieren würde. Andere wiederum sind der festen Überzeugung, dass Milch tatsächlich aus dem Tetrapak kommt, der im Supermarkt in der Kühlwarenabteilung wächst und gedeiht. Wichtig eben, dass der Stecker auch dort richtig herum eingesteckt wird. Hat das der Supermarkt-Mitarbeiter vergeigt, schmeckt die Milch sauer. So ähnlich ist das mit dem Kühlschrank, bei dem man täglich den Stecker umstecken muss, damit das Tofu nicht zu muhen beginnt.

Zwiebeln wachsen natürlich auch im Supermarkt. In den orangefarbenen Netzen. Die Damen und Herren in der Obst- und Gemüse-Abteilung sind für das tägliche Gießen zuständig und am Abend wird dann noch ein Liedchen geträllert, so dass sich die Zwiebeln herrlich wohl fühlen und am nächsten Tag wieder frisch aus dem grünen Regalbeet strahlen.

Das ist kein Spaß. Nicht wenige Vertreter der Wiki-Generation glauben so einen Schmarrn. Die lesen auch nach, wie man Wasser kocht oder wie lange man ein Ei erhitzen muss, bis das Huhn an der Tür klingelt. Holla die Waldfee, wir sind gerüstet für die kommenden vier Jahrzehnte!

Zwiebelsamen züchten für den Profi

Jetzt mal ernsthaft. Als ich das Titelbild dieses Textes rumgeschickt hatte, wurde ich mehrfach gefragt, was das denn sei. Es handelt sich um ausgewachsene Zwiebeln, die vorwiegend in der Region Romagna (das ist der südliche Teil der Emilia-Romagna rund um Bologna) gezüchtet werden, um Samen daraus zu gewinnen. Aber lassen wir doch den Experten sprechen. Habe Deepl benutzt, um einen Teil einer italienischen Seite für jeden verständlich zu übersetzen: „Die Zwiebelsamen werden aus der Blüte gewonnen, deren Entstehen der Anbauer nicht immer sieht, da die Pflanze in der Regel vor der Blüte entfernt wird, um das Gemüse zu ernten. Die Gewinnung der Samen ist sehr einfach: Man lässt eine Pflanze auf dem Feld stehen und wartet, bis sie im zweiten Jahr die unverwechselbare kugelförmige Blüte mit weißen Blütenblättern bildet. Die Zwiebelblüte muss getrocknet werden und dann müssen die vielen kleinen Samen, die sie enthält, gesammelt werden. Manchmal geht die Zwiebel schon vorzeitig in Samen über.“

Wer es noch genauer haben möchte, kann auch auf ichbindannmalimgarten.de vorbei schauen. Da wird alles genau beschrieben. Und – sollte die Wiki-Generation diesen Text lesen und auf die Gartenseite kommen – die Bilder unten mit den Eierkartons, das sind keine Eier, das sind verwelkte Salatblätter in Tofu …

Kleines Update vom 15. August 2022
Von Jürgen Müller-Lütken (ichbindannmalimgarten.de) habe ich folgenden Hinweis bekommen: „Das Bild des Beitrags zeigt (…) keine blühenden Zwiebeln sondern Porree-/Lauch-Blüten. Diese blühen neben weiß auch rosa und haben, neben anderen Unterscheidungsmerkmalen, in der Mitte des Stängels keine aufgeblähte Verdickung.“ Der Epilogiker dankt hierfür recht sakrisch und wird seine Informanten vor Ort in Italien mal ins Gebet nehmen.