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Nachgedacht

Politiker Schwurbler? Migranten böse? Kann nicht sein!

Medien auf der Suche nach Nazis, Querdenkern und sonstigen Phantasmen in die Ecke gedrängt? Der Versuch einer Analyse.

Die Silvesternacht 2023 in Berlin hat uns im Nachgang eines gezeigt: Die von wem auch immer bezahlten Massenmedien in Deutschland taumeln nach Luft ringend am Argumentationsgalgen. Auf der ständigen unerbittlichen Suche nach chronischen Hirngespinsten wie den wohl den meisten aus dem Hals heraushängenden „Nazis“, „Querdenkern“, „Rechtsradikalen“, „Reichsbürgern“ und „Antisemiten“ müssten sie jetzt eigentlich kleinlaut zugeben, dass es nicht die imaginären Dämonen waren, die in deutschen und französischen Städten Autos und Häuser anzündeten, Pyrotechnik und Waffen gegen Blaulicht-Einsatzkräfte richteten und die friedlichen Werte mit Waffen bedrohten. Den meisten fällt es aber verdammt schwer.

BILD und RTL dreschen drauf

Nicht allerdings der BILD-Zeitung. Sie ist offenbar einer der wenigen Vertreter deutscher Massenmedien, der mit dem dreifachen Vorschlaghammer drauf drischt. „So schwurbeln Politiker die Wahrheit weg“ (Hinweis: Link zum Web-Archiv lädt etwas länger) titelt Redakteur Maximilian Both am 3. Januar 2023 und schreibt: „Besonders in Berlin war die Lage teilweise dramatisch, laut Polizei gab es allein hier 103 Festnahmen. Die Aufgegriffenen: meist junge Männer, viele mit Migrationshintergrund.“ Und weiter: „Doch statt über die Täter, gescheiterte Integration und Migration zu sprechen, schwurbeln unsere Politiker die Wahrheit einfach weg!“ RTL West Chef Jörg Zajonc, schon zu Corona-Zeiten bekannt als einsamer, kritischer Journalist in der Wüste, spricht von „unfassbaren Bildern“. Die Forderung nach Böllerverbot hält er für „komplett falsch“. „Ein Großteil der Randalierer sind Männer mit Migrationshintergrund. Mit ihrem ganz eigenen Weltbild.“ Politiker, die sich der Sache nicht annehmen möchten, bezeichnet er als „feige“. Link zum Video (aus Lizenzgründen nicht hier veröffentlicht)

„Es soll nicht diskutiert werden“

Mir geht es nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Dafür sind – wie immer – Richter da, falls sie überhaupt noch Lust und Muse haben, sich damit ernsthaft zu beschäftigen. Mir geht es darum, die Art und Weise zu hinterfragen, mit der das jahrelange Framing, also die in eine bestimmte Richtung gerichtete Beeinflussung der Realitätswahrnehmung, plötzlich von einem auf den anderen Tag gekappt wird. Jetzt sind also plötzlich Politiker „Schwurbler“. Und Migranten sind die Bösen? Das kann nicht sein! War der Begriff „Schwurbler“ nicht die vergangenen Jahre für die Menschen reserviert, die sich kritisch mit der Corona-Frage und dem Beschneiden von Grundrechten auseinandergesetzt haben, dafür mit massiver „Staatsgewalt“ sanktioniert worden waren? Seit wann darf man in deutschen Medien über böse Migranten schreiben? Bis dato waren doch laut einhelliger, reuterischer und t-onlineischer Meinung „Querdenker“ die Bösen. Schwenkt man nun um? Versucht man sich nun geschickt auf Basis dieses einschneidenden Ereignisses aus der Ecke zu manövrieren, um wieder auf Spur der Meinung der Leser zu kommen und nicht noch mehr davon zu verlieren? Nur so eine Idee. Wollen wir das mal beobachten.

Vera Lengsfeld, Aktivistin der ehemaligen DDR, schreibt auf reitschuster.de: „Spätestens seit der der Domplatten-Gewalt in Köln 2015 und den zahlreichen Angriffen auf Kirchen an Silvester 2017 hätte man gewarnt sein können. Aber das Establishment schaute lieber weg und brandmarkte alle, die auf das Problem hinwiesen, als Rechte.“ Sie beantwortet auch die Frage, warum es Medien so unglaublich schwer fällt, in die Diskussion einzusteigen: „Es soll nicht diskutiert werden, dass die Politik der offenen Grenzen schmerzhaft gescheitert ist, weil sie die Substanz unserer Gesellschaft zersetzt.“

„Polizei“ nicht vorbereitet?

Wie gut, dass man kurz vor Silvester mit 3000 (!) Polizisten 25 Reichsbürger verhaftet und ihnen die Rollatoren abgenommen hatte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich die 25 Senioren unter die angeheizte Meute gemischt hätte. Rock and Roll! Spaß beiseite. Aber man muss sich doch schon mal die Frage stellen dürfen, warum man 3000 Polizisten (was kosten die eigentlich so in der Stunde?) braucht, um 25 Rollator-Rocker festzunehmen, und man sich dann offenbar nicht auf die bereits absehbaren Randalen während der Silvesternacht vorbereiten hat können. Böse Zungen behaupten, es wäre alles geplant gewesen. Aber ich bin ja keine böse Zunge, lediglich ein manchmal leicht zynischer Beobachter des Zeitgeschehens.

Gott sei Dank Reichsbürger dingfest gemacht!

Politiker Schwurbler? Migranten böse? Kann nicht sein! - SchwurblerZum Abschluss noch ein schnelles Blitzlicht in Sachen Politik. NDR INFO zitiert Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD): „Was passiert hier eigentlich? Es sind überwiegend junge Männer und zum Teil aus dem rechtsextremen Milieu, aber auch aus migrantischem Milieu“. Interessant. Zwar reitet man als linker Politik-„Schwurbler“ (Zitat BILD) das tote Pferd noch immer, nennt allerdings tatsächlich die Begriffe „rechtsextrem“ und „Migranten“ in einem Satz. Vor ein paar Monaten wäre das Wort „Migranten“ niemals in einem Atemzug mit anderen Stereotypen genannt worden. Doch die 25 rollatorenden Reichsbürger-Rädelsführer hatte man ja bereits festgenommen, das Querdenker-Narrativ zieht auch nicht mehr so wirklich, da sich deren Zahl gerade in den vergangenen Monaten ver-x-facht hat und Antisemiten? Na ja. Vielleicht haben die Herren Journalisten dann doch mal in den Büchern gewälzt und sich die Definition von „Antisemit“ etwas genauer durchgelesen.

Gerne beobachte ich, wie sich die Narrative in den kommenden Wochen und Monaten verändern. Und sie werden es. Da bin ich mir ziemlich sicher.

 

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